Clausnitz

 

Stumm Vor Zorn und  Trauer,

angesichts der 100 Einwohner von Clausnitz,

angesichts eines  Polizeipräsidenten,

der Opfer und Täter auf eine Stufe stellt

angesichts  eines Inneministers,

der seine schützende Hand über Menschen hält,

die Opfer und Täter auf eine Stufe stellen

 

Was in ihnen ist es, das sie

So gefühllos, kalt, gnadenlos sein lässt,

als ob sie nicht  sehen ,

 

dass sie es sein könnten

die in dem Bus sitzen,

mit der Aufschrift  .ERLEBNISBUS“

 

dass sie es sein könnten,

die sich auf den Weg machten,  um zu überleben

mit der Hoffnung das Entsetzen zu überwinden,

die von Bomben zerfetzten Leiber

ihrer Liebsten zurücklassend,

im Jemen,  Aleppo, oder Südsudan, oder..

 

Was ist es, das die 100 Einwohner von Clausnitz

Vergessen läßt, was sie wissen ?

25 Jahre nach der Deutschen Einheit

Von allen guten Geistern verlassen

 

Der letzte Zug

der letzte zug
In der ferne ein pfeifen
sein warnsignal

auf der flucht
verängstigt am strassenrand

An den lichtern der vorbeirasenden autos vorbei
immer weiter

Vergessen

 

Boote auf dem Meer

Ertrinkende, Hilfeschreie.

Zu spät.

Das Leben geht weiter.

Der Schrecken der Welt: Nicht hier.

Hier ist alles wie immer

Was draußen  geschieht, jenseits unser selbsterrichteten Grenze,

darf nicht nicht nach innen

 

Was wir nicht sehen wollen stoßen wir von uns,

weil es ein Bild von unserer Welt zeigt,

das wir nicht sehen wollen,

ein Bild  voller Schrecken und Aufruhr.

 

 

Je weniger wir es sehen wollen,

umso heftiger greift es nach uns.

Je weniger wir das tun, was nötig wäre

umso  stärker schlägt es zurück.

 

Kurz nur

Rufe in die Dunkelheit der Nacht
Ein Blitz am Himmel
Eine Krähe die sich zu Wort meldet
Ihre Schwingen öffnet
Und sich dem Mond zuwendet

Ein Motorengeräusch in der Ferne
Ein Flugzeug irgendwohin
In die Welt

Ein Licht das aufscheint
Auf diesen einen Jungen
der ans Ufer getrieben wurde
Tot, aus dem Land des Todes geflohen

für einen Moment hat er alles angehalten
und es schien als könnten wir doch
das Menschliche in uns stark werden lassen

die Stimmung war plötzlich da,
die Bilder des Schreckens sehen zu wollen
kurz nur, aber sie waren da,
die Bilder, die wir heute
teilnahmslos an uns vorbei ziehen lassen

 

KORSETT

Den Unterdrückten und Verfolgten überall auf der Welt gewidmet
Wunder bare Welt, die sich öffnet
Alle Ängste, alles was einst gewesen war,
dich aufgehalten hat, wird bedeutungslos,
wenn du diesen Weg zurückgehst,
vertraut-beklemmende Muster verlässt
und überschreitest

Was aber, wenn der alltägliche Schrecken so gewaltig
das Erschrecken so unüberwindlich wird
wenn Jeder Tag von Verfolgung und Unterdrückung bestimmt ist,
von Ausbeutung und drohender Vernichtung,
die alle luft zu atmen nimmt
alle freiheit zu denken und frei zu leben

eingeschnürt in ein Korsett
aus Ideologie, Unterdrückung und Totalitarismus
bleibt kein Platz in dir,
dem Raum zu geben, der du wirklich bist.

 

die ruhe hat sich zur ruhe gesetzt

unruhe hat sich breitgmacht
alles in besitz genommen und vergessen lassen,
wie es einst war vor der großen flut,
die über alle menschen kam
und zwischen ankommenden und flüchtenden unterschied

damals als sich ein teil der welt auf den weg machte,
weil kein platz mehr war
dort, wo einst heimat war

die aber, die noch zu hause waren fürchteten nichts mehr,
als die ihre heimat verloren hatten,
weil sie ihnen zeigten, was es heißt
heimatlos zu sein

 

„Nach Auschwitz Gedichte zu schreiben ist barbarisch“

Die Sprache verstummt
Es bleibt nichts,
als auszudrücken
dass es nicht ausdrückbar ist.

Wer aber soll berichten über das Entsetzen
Über die Verbrechen, die geschehen ?
Wer aber kann es besser als der,
der mit Tiefe und Gnadenlosigkeit
um die Klarheit seiner Worte ringt

Wenn die Schönheit eines Gedichts
zur Wahrheit führt,
und den erlebten Schrecken
das erlebte Entsetzen erfahrbar macht,
brauchen wir Gedichte ohne Ende

 

gesichter im brunnen der vergangenheit

voller sehnsucht nach erkenntnis und weisheit
ging einer einst hinab ,
erfuhr was dort geschah
kam zurück und wußte wer er war

so ähnlich könnte es sein
wenn wir den wahrheiten über uns
die wir nicht wissen wollen
ins gesicht sehen

wenn wir geschichten erzählen über uns,
die sagen, wer wir wirklich sind
können wir uns in brüderlichkeit
und geschwisterlichkeit begegnen

 

Die LÜGEN der Neuen Rechten

Wenn du die Mächtigen der Lüge bezichtigst
und dies sich als Wahrheit herausstellt
die von den Mächtigen verleugnet wird,
dann hast du alle Karten in der Hand
selbst zu lügen und von den Anhängern derer,
die laut „lügenpresse „schrein
gefeiert und gepriesen zu werden

das ist die eine Gefahr die
von der neuen Rechten droht